Der schwedische Flughafen, der die Boeing 737 verbieten musste

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Göteborg ist die zweitgrößte Stadt Schwedens, hinter der Hauptstadt Stockholm. Dementsprechend ist der Landvetter-Flughafen der Stadt nach Stockholm Arlanda der zweitgrößte Flughafen des Landes. Noch im Jahr 2015 hatte Göteborg jedoch auch einen zweiten, kleineren Verkehrsflughafen. Aber warum ist dies nicht mehr der Fall?

Ryanair 737 Gothenburg City Airport
Göteborgs zweiter Flughafen war beliebt bei europäischen Billigfluggesellschaften wie Ryanair. Foto: Alan Wilson via Flickr

Eine abwechslungsreiche operative Geschichte

Säve Flygplats liegt auf der Insel Hisingen, die nordwestlich von Göteborg liegt. Als Flugplatz ist er seit 1940 in Betrieb und beherbergte ursprünglich eine Division des Flygvapnet (schwedische Luftwaffe). Diese Zweigstelle war das Luftwaffengeschwader Göta oder „F 9 Säve“, das bis 1969 aktiv war. Sie flog sowohl schwedische als auch ausländische Flugzeuge, wie z.B. die Saab 29 und die britische Hawker Hunter, die von der schwedischen Luftwaffe als „J 34“ bezeichnet wurde.

1977 wurde der Torslanda-Flughafen der Stadt geschlossen, und der Linienverkehr wurde auf den neuen Landvetter-Flughafen östlich der Stadt verlegt. In der Zwischenzeit übernahm Säve die Rolle des Drehkreuzes für die allgemeine Luftfahrt der Stadt. Nach einer Verlängerung der Start- und Landebahn 01/19 des Flughafens um 400 m im Jahr 1984 war Säve in der Lage, größere Geschäftsflugzeuge abzufertigen. Der eigentliche Durchbruch kam jedoch erst 2001.

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Dassault Falcon 7X Gothenburg City Airport
Geschäftsflugzeuge wie diese Dassault Falcon 7X konnten den Flughafen Säve nach der Verlängerung der Start- und Landebahn im Jahr 1984 nutzen. Foto: Alan Wilson via Flickr

Kommerzieller Erfolg

Im Jahr 2001 nahm Säve den Namen „Göteborg City Airport“(Stadtflughafen Göteborg) an. Dies reflektierte seine Nähe zum Stadtzentrum im Vergleich zu Landvetter (17 km bzw. 28 km auf der Straße). Er fiel auch mit der Aufnahme des Passagierlinienverkehrs auf dem Flughafen zusammen. Die irische Billigfluggesellschaft Ryanair nahm zu diesem Zeitpunkt Linienflüge nach London auf. Schnell folgten weitere Ziele. Nach Angaben von The Local war der Erfolg von Ryanair ein Faktor dafür, dass DFDS Seaways 2006 seine Fährverbindungen von Newcastle nach Göteborg einstellte.

Neben einer Vielzahl von Zielen, die von Ryanair angeflogen wurden, war auch die ungarische Billigfluggesellschaft Wizz Air auf dem Flughafen vertreten. Im November 2014 führten die Regionalfluggesellschaften Gotlandsflyg und Sparrow Aviation ebenfalls einen innerstaatlichen Linienflugverkehr durch. Diese bedienten jeweils Visby und Stockholm Bromma. Laut Transportstyrelsen, der schwedischen Verkehrsbehörde, war der Höhepunkt des Flughafens im Jahr 2013. In diesem Jahr bediente er über 863.000 Passagiere auf fast 51.000 Flugbewegungen.

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Gothenburg City Airport Terminal
Das ziemlich unscheinbar aussehende Terminalgebäude des Flughafens. Foto: blue_quartz via Flickr

Operative Mängel

Im November 2014 stellte sich heraus, dass größere Flugzeuge wie die Boeing 737 von Ryanair die Rollwege des Flughafens beschädigt hatten. Als solche waren sie nicht mehr dafür ausgelegt, das Gewicht dieser schwereren Flugzeuge zu tragen. Die Flüge von Ryanair und Wizz Air wurden auf unbestimmte Zeit nach Landvetter umgeleitet.

Ursprünglich mussten die Passagiere noch in Säve einchecken und die Sicherheitskontrolle passieren, bevor ein Bustransfer nach Landvetter stattfand. Im Januar 2015 stellte der Flughafen den Linienflugverkehr gänzlich ein. Die Eigentümer des Flughafens nannten überhöhte Reparaturkosten als Schlüsselfaktor.

Dies war jedoch nicht das einzige Manko des Flughafens. Zwar war er günstig gelegen, aber seine Benutzerfreundlichkeit ließ ein wenig zu wünschen übrig. Die Göteborger Katie und Tim Perkins erinnern sich:

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Katie: „Ich erinnere mich, dass man sich draußen anstellen musste, um wieder ins Land zu kommen, weil es drinnen nicht genug Platz gab. Und es war im Grunde genommen eine Hütte. Er existierte zu einer Zeit, als Ryanair den Familien automatisch den Vorrang beim Einsteigen gab.“

Tim: „Als wir das erste Mal von dort aus flogen, checkten wir am Schalter ein und bekamen nur eine allgemeine, wiederverwendbare Check-in-Karte – zerkratzte Pappe, kein Datum oder Name, nur die Flugnummer -, die wir am Gate abgaben. Nicht wirklich sicher.“

Aeroseum Gothenburg
Beweise für die Militärgeschichte von Säve finden sich im angrenzenden „Aeroseum“, das sich in einem unterirdischen Hangar aus der Zeit des Kalten Krieges befindet. Foto: Alan Wilson via Flickr

Der Flughafen heute

Nach der Aussetzung des gewerblichen Verkehrs wurde Säve nicht mehr als Flughafen der Stadt Göteborg bezeichnet. Im Jahr 2015 gingen die jährlichen Flugbewegungen auf weniger als 15.000 zurück. Er hat wieder die Rolle des Drehkreuzes der allgemeinen Luftfahrt in Göteborg übernommen und beherbergt mehrere lokale Fliegerclubs. Einer von ihnen gehört zur Technischen Universität Chalmers der Stadt.

Das angrenzende „Aeroseum“ beherbergt auch eine beeindruckende Sammlung ehemaliger Flugzeuge der schwedischen Luftwaffe. Obwohl die kommerziellen Dienste eingestellt wurden, ehrt Säve weiterhin seine militärische Geschichte und bietet gleichzeitig eine nützliche Einrichtung der allgemeinen Luftfahrt in unmittelbarer Nähe des Stadtzentrums von Göteborg.

Mit Dank an die Familie Perkins für ihre Erinnerungen an den Flughafen Säve.

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